Vom typischen Männer- in den klassischen Frauen-Beruf

Als gelernter Zimmermann und Trockenbauer arbeitet Daniel Brandenburg seit einem Jahr mit behinderten Menschen.

Wenn Daniel Brandenburg morgens oder nachmittags zur Arbeit kommt, wird er oft mit einer Umarmung begrüßt – wer kann das schon am Arbeitsplatz erleben? Daniel arbeitet bei LeA als Gruppenhelfer im Wohngruppendienst. Er ist mit seinem Team verantwortlich für die neun Bewohner seiner Wohngruppe 2. Ganz gleich, welchem Bewohner er dabei zuerst über den Weg läuft – es freuen sich alle über sein Kommen und einige drücken ihre Freude eben mit einer Umarmung aus.

Das ist ein großer Unterschied zu seinem früheren Beruf als Zimmermann und Trockenbauer, in dem er vorwiegend mit Männern zusammen gearbeitet hat. „Da gab es keine warmen Worte, da wurde hart angepackt.“ Bei LeA arbeitet er – zumindest in seiner Gruppe – nur mit Frauen zusammen. „Dabei ist es in vielen Bereichen sehr wertvoll, dass ich ein Kerl bin“, sagt Daniel, der sich die herbe Sprache vom Bau erhalten hat. „Schließlich wohnen bei uns genau so viele Männer wie Frauen.“ Tatsächlich fällt der lockere Ton, in dem Daniel mit den Bewohnern – und natürlich auch den Bewohnerinnen – spricht, im gesamten Hause auf. „Ich bin mir nicht zu schade zum Rumblödeln und Faxen machen“, sagt er. „Manchmal werde ich auch genau so laut wie unsere Bewohner“. Und die finden das richtig toll. Aber nicht nur die Bewohner lieben Daniel, auch seine Kolleginnen freuen sich über die männliche Verstärkung. Ein Grund dafür ist auch, dass Daniel bevorzugt in der Spätschicht arbeitet, die allgemein nicht so beliebt ist. „Ich bin 20 Jahre lang früh aufgestanden. Ich freue mich, wenn ich jetzt morgens ausschlafen kann“, sagt Daniel.

Natürlich wird nicht den ganzen Tag rumgeblödelt. Wenn die Bewohner aus Daniels Gruppe spätnachmittags oder abends aus der Werkstatt oder Tagesförderung kommen, wird viel über den Tag geredet und es werden Probleme besprochen. „Ich gehe oft anders an eine Sache heran und probiere viel aus, um Lösungen für ein Problem zu finden“, meint Daniel.  Außerdem gehört zu seinen Aufgaben, für die täglichen Mahlzeiten einzukaufen, das Essen vorzubereiten und die Wäsche zu machen. Vor dem Frühstück oder nach dem Abendessen beginnt für einige Bewohner die Pflege, denn bei LeA werden auch Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf im Rahmen der Eingliederungshilfe betreut.

Die einzige Gemeinsamkeit zu seinem vorherigen Job auf dem Bau: In beiden Branchen sind die Fachkräfte knapp. Deshalb setzt auch LeA – ergänzend zu den gesetzlich vorgeschriebenen Fachkräften – auf Quereinsteiger wie Daniel. „Als Ungelernter werde ich von meinen Kollegen voll akzeptiert“, beschreibt er die harmonische Zusammenarbeit in seinem Team.
Ganz unbekannt ist ihm der soziale Bereich auch gar nicht. Als Zivildienstleistender hat Daniel bereits mit behinderten Menschen gearbeitet und blieb seinem damaligen Verein noch 6 Jahre als Mitarbeiter treu. 20 Jahre später, nach vielen Jahren körperlicher Arbeit, findet er seine Aufgabe jetzt eher geistig anstrengend. Aber es lohnt sich: „Es ist toll zu sehen, wie die Bewohner im Alltagsleben Fortschritte machen.“ Auch die vertrauensvolle Beziehung, die er zu den Bewohnern aufgebaut hat, begeistert ihn. „Wenn ich im Urlaub bin, wird ständig gefragt, wann ich denn endlich wieder komme.“

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Ein tolles Team: Daniel Brandenburg mit seinen Kolleginnen Saskia Prange, Tanja Dederichs Batista, Andrea Oehms, Ulrike Schreinecke und Antonia Becker bei LeA.